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DAS NEUE FRANKFURT - VERGESSENE MODERNE
DIE HEIMATSIEDLUNG

 
 

 
WOHNUNGEN

Die Wohnungen der Heimatsiedlung waren nach dem Frankfurter Wohnungsbauprogramm für Kleinfamilien entwickelt worden. Der für die architektonische Bearbeitung der Heimatsiedlung verantwortliche Architekt Franz Roeckle orientierte sich bei seinem Entwurf nicht so sehr an den sparsamen Typenwohnungen des Neuen Frankfurt von Ernst May. Er bevorzugte vielmehr groß-zügigere Wohnungszuschnitte, die er darüber hinaus mit zusätzlichen Architekturelementen, wie der Glasveranda, dem Erkerzimmer oder dem überdachten Freisitz und Balkon bereicherte.
 

Die innovative Bauweise

Der Architekt Franz Roeckle verwandte in der Heimatsiedlung Grundrisstypen, die sich bei sei-nen anderen Wohnungsbauprojekten bewährt haben. Aber er war auch bereit, neue Erkennt-nisse und Techniken bei seinen Bauvorhaben umzusetzen. So wählte er bei der Heimatsiedlung die Halbskelettbauweise, bei der nur die Außenwände in Ziegelmauerwerk tragend sind und alle tragenden Innenwände durch Stahlstützen ersetzt werden. Mit dieser Bauweise erreichte er eine schnelle Bauaustrocknung und somit einen schnellen Baufortschritt. Gleichzeitig war es mit diesem flexiblen Wohnungsgrundriss möglich, die Wohnung zukünftigen veränderten Erforder-nissen anzupassen.

Der Architekt reagierte auch auf Probleme, die mit dem sog. May'schen Reformdach, einer mit Bitumen beklebten Flachdachkonstruktion, auftrat. Er versuchte das Problem der Undichtigkeit der Flachdächer durch die Verwendung von Aluminiumblech als Material für die Dachdeckung in den Griff zu bekommen. Somit dürfte die Heimatsiedlung die erste Siedlung in Deutschland ge-wesen sein, deren schwach geneigte Dächer in Aluminiumblech ausgeführt wurden. Inwieweit sich diese Konstruktion damals bewährt hatte ist nicht bekannt, zumal heute kein einziges dieser Metalldächer mehr vorhanden ist.

 
Die wichtigsten Wohnungstypen mit ihren Grundrissen

 
Geschosswohnungen im Heimatring

  Wohnungen im Heimatring  
 
 
 
 
 
 
 
2-3 Zimmerwohnung, ca. 60 m
2 Größe:
 
In der westlichen Randbebauung entlang dem Heimatring.
 

 
Wohnungen mit Erkerzimmern am Eingang der Wohnzeilen

  Wohnungen mit Erkerzimmern  
 
 
 
 
 
 
 
 
4-5 Zimmerwohnung mit ca. 105 m
2 Größe und verglasten Erkerzimmern:
 
In den östlichen Rand-bauten entlang der Stre-semannallee.
 

 
Geschosswohnungen in den Wohnzeilen

  Geschosswohnungen

 
 
 
2- und 3- Zimmerwohnung von ca. 60 und 80 m
2 Größe,

im Erdgeschoss mit Garten-anteil,
im 1. Obergeschoss mit Glasveranda,
im 2. Obergeschoss mit überdecktem Balkon:
 
In den Wohnzeilen.

 

 
Einfamilienhäuser in den Wohnzeilen

  Einfamilienhaus


die Grundrisse:

Maus über Legende


Einfamilienhaus mit ca. 130 m
2 Größe. Ursprünglich wahr-scheinlich für alle Wohnzeilen geplant, jedoch nur die Zeilen "Unter den Birken" und "Unter den Eichen" wurden ausgeführt.
 
Heute sind davon 26 Einfamili-enhäuser in "Unter den Eichen" in Privateigentum.

 

Die Einführung vom Wintergarten im sozialen Wohnungsbau

Wintergärten an der Mörfelder Landstr. in zwei Geschossen Wintergarten an der StresemannalleeDas besondere Merkmal der durchlaufenden Glas-veranda ist in der Heimatsiedlung zum Markenzeichen für die Wohnungsbauarchitektur von Franz Roeckle ge-worden. Er kann als Wegbereiter vom Wintergarten im sozialen Wohnungsbau gelten. Die Glasveranda, die sich sowohl bei den Mehrfamilienhäusern als auch bei den Einfamilienhäusern findet, sollte wohl in erster Linie zu einer Bereicherung und der Wintergarten im ersten Obergeschoss, dreigeschossige Zeile räumlichen Erweiterung der Wohnung beitragen. Die Funktion als Kältepuffer sowie die Nutzung der passiven Sonnen-energie über die großen Glasflächen zur Erwärmung der Innenräume war ein vermutlich positiver Nebeneffekt. Heute dient die Glasveranda/ der Wintergarten in den privatisierten Einfamilienhäusern meist aus-schließlich der Wohnraumerweiterung. In den Mietwohnungen ist die Glasveranda bzw. der Wintergarten auch nach den Modernisierungs-maßnahmen wie ehedem unbeheizt und nur mit Einfachverglasung ausgestattet.
 

Die Besonderheit der 3 Bezüge der Wohnungen zum Außenraum

In den 3 bis maximal 4 geschossigen Wohnzeilen erhöhte der Architekt Franz Roeckle den Gebrauchswert der Wohnungen durch die jeweiligen verfügbaren Bezüge zum Außenraum:

Drei verschiedene Außenbezüge
 Im Dachgeschoss mit gedecktem Balkon,

 im 1. Obergeschoss über eine verglaste Wintergarten,

 im Erdgeschoss über einen Freisitz und kleinen Gartenanteil.
 

Somit kommen die Bewohner der Einfamilienhäuser in den Genuss, über drei unterschiedliche Bezüge zum gestalteten Außenraum verfügen zu können. Dieses Entwurfsprinzip von Architekt Franz Roeckle, ursprünglich nur für Einfamilienhausbebauung in den Wohnzeilen entwickelt, konnte bei der späteren Umplanung in Mehrfamilienhausbebauung beibehalten werden. Bei gleichem Fassadenentwurf ergab sich für die Etagenwohnungen je Geschoss je ein Bezug nach Außen, sei es über die Glasveranda oder über den gedeckten Balkon. Um allen Woh-nungen in den Mehrfamilienhäusern einen Zugang zum Garten zu ermöglichen, waren ursprüng-lich im Erdgeschoss sog. Gartenzimmer zur gemeinschaftlichen Nutzung angeordnet. Später wurden diese Gartenzimmer zusammen mit den Kammern im Erdgeschoss in zusätzliche Wohnungen umgewandelt, die alleinigen Zugang zum Garten haben.
 

Die Ausstattung der Wohnungen

Alle Wohnungen der Heimatsiedlung waren für die damalige Zeit vorbildlich in der Ausstattung. Bestandteil einer jeden Wohnung war eine komplett eingerichtete helle geräumige Küche. Für die damalige Zeit hervorragend ausgestattet mit einem Warmwasseranschluss am Spülbecken und einem modernen Gasherd mit Backofen. Inwieweit die in der Heimatsiedlung eingebauten Küchen dem Typus der Frankfurter Küche der Architektin Grete Schütte-Lihotzky, einer Mitar-beiterin Ernst Mays, zuzurechnen sind, ist nicht eindeutig zu beantworten. Die eingebauten Küchen in der Heimatsiedlung entsprachen von den Abmessungen her in etwa der klassischen Frankfurter Küche mit ihrem Einheitsmaß von 1,90 x 3,40.

Zu jeder Wohnung gehörte auch ein modernes gekacheltes Badezimmer mit Badewanne, Waschbecken mit Spiegel  und WC. Im Vergleich zu anderen gleichzeitig entstandenen Siedlungsbauten war in der Heimatsiedlung das Bad wesentlich geräumiger ausgelegt. Ver-vollständigt wurde jede Wohnung durch geschickt angeordnete Wandschränke.
 

Die Ausstattung der Siedlung

Alle Wohnungen der Siedlung wurden mit Heizwärme und Warmwasser über drei mit Koks zu befeuernden Heizungsanlagen versorgt. Seit 1964 ist die Siedlung an die Versorgung mit Fernwärme der Stadt Frankfurt am Main angeschlossen. Neben den früheren Heizzentralen befanden sich siedlungseigene Waschküchen sowohl zum Selbstwaschen als auch als Lohn-wäscherei. Auch heute existiert noch eine Gemeinschaftswaschanlage.

Es gab eine eigene Radioanlage für die Mieter. Über Kabel wurde ein Programm von einer hohen Antennenanlage in die gesamte Siedlung verteilt, jede Wohnung hatte eine Anschluss, Benutzungsgebühren wurden an eine Antennengesellschaft bezahlt. Heute wird der Anschluss für das Kabelfernsehen genutzt.

Garagen im HeimatringFür den damaligen Frankfurter Siedlungsbau außergewöhnlich ist auch das Angebot einer, wenn auch nur geringen Anzahl von Garagen, die in die Gebäude integriert wurden.
 
Wegen des Funkenfluges der Eisenbahn musste entlang der Bahnlinie ein Geländestreifen bis zur Bebauung freigehalten Grünfläche zw. Bahn (hinten links) und Heimatring (rechts)werden. So wurden dort Mietergärten, zwei große Spielplätze und eine so genannter Rosen-garten angelegt. Die Parzellen konnten von den Mietern für eine Mark im Monat gepachtet werden. Gemüseanbau und Nutztierhaltung sollen darin jedoch nicht erlaubt gewesen sein. Der Rosengarten war für alle Mieter zugänglich und wurde von den Gärtnern der Siedlung gepflegt. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde er nicht wiederhergestellt. An seiner Stelle befinden sich heute eine Tankstelle und ein Garagenhof.

Für die Versorgung der Mieter mit den Dingen des täglichen Bedarfs waren entlang der beiden Ladengeschäfte in der StresemannalleeErschließungsstrassen Stresemannallee und Heimatring in den Erdge-schosszonen der Häuser Läden und Werkstätten untergebracht. Des weiteren gab es eine Poststelle und einige Arztpraxen. Verschiedene Geschäfte aus der Innenstadt installierten Briefkästen zum Einwurf von Bestellungen, um ihre Kunden, die nun in die neue Siedlung an den Stadtrand gezogen waren, halten und beliefern zu können.

Heute wird es immer schwerer, kleine Läden und Gewerbezonen zu betreiben, dennoch ist die gewerbliche Nutzung in der Heimatsiedlung z.B. vom Kiosk über den kleinen Lebensmittelhandel bis zum Friseur und Schuhmacher weiter vorhanden.  nach oben