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DAS NEUE FRANKFURT - VERGESSENE MODERNE
DIE HEIMATSIEDLUNG

 
 

 
ARCHITEKTUR

Die Architektur der Heimatsiedlung ist beeinflusst von den Idealen des „Neuen Bauens“ der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, einem der Sachlichkeit und der Funktionalität verpflichteten inter-nationalen Baustil, der über das 1919 gegründete  „Bauhaus“ Verbreitung fand.

Berühmte Architekten wie Walter Gropius und Mies van der Rohe stehen für diese bedeutendste stilbildenden Epoche moderner Architektur. Die Heimatsiedlung als herausragendes Beispiel des experimentellen Siedlungsbaus des Neuen Bauens in Frankfurt am Main unter Ernst May zeigt, dass der standardisierte Wohnungsbau individuelle Lösungen und phantasievolle Einzel-formen hervorgebracht hat.
 

Der Grundriss der Heimatsiedlung


 


 


 



Mauszeiger über Farbfeld

Der unverwechselbare geschlossene Grundriss der Heimatsiedlung zeigt den Einfluss einer dynamisch expressio-nistischen Architektursprache, wie sie auch in der zur gleichen Zeit im Norden der Stadt entstandenen Römerstadt-Siedlung zu sehen ist. Vielleicht aus der Funktion heraus entwickelt, die neue Siedlung für den Mittelstand im Süden von Frankfurt vor dem Lärm der sie umgebenden Verkehrwegen abzuschir-men, war der Entwurf  die Umsetzung der Vorstellung Ernst Mays von der Trabantenstadt, die sich mit einem
Schutzwall gegen die Großstadt absetzt. Leider ist von Entwurfsidee und Entwurfsprozess der Heimatsiedlung nichts überliefert. Auch besteht Unklarheit, inwieweit  Ernst May, der zweifelsfrei für die Gesamtplanung des Riedhofgeländes verantwortlich war, auf das Konzept und die Ausführung der Heimatsiedlung Einfluss genommen hat.

Der Architekt der Heimatsiedlung

Die architektonische Bearbeitung der Heimatsiedlung (1927- 1934) lag in den Händen des renommierten Frankfurter Architekten Franz Roeckle (1879-1953). Mit der Heimatsiedlung, seinem Hauptwerk im Siedlungsbau, gelang Franz Roeckle eine Verbindung zwischen dem traditionellen Gründerzeitblock und der modernen Zeilenbauweise. Als Mustersiedlung für den Mittelstand von der Berliner Bau- und Siedlungsgesellschaft „Heimat“ in Auftrag gegeben, ist sie heute ein eindrucksvolles Beispiel des experimentellen Siedlungsbaus der Weimarer Zeit  eine international anerkannte und gerühmte Leistung des Neuen Frankfurt und somit auch seit 1989 als Gesamtanlage im Denkmalbuch des Landes Hessen eingetragen.

Franz Roeckle richtete seine Planung nicht nur an funktionale Kriterien aus, wie der Bedingung, alle Wohnungen mit ihren Haupträumen zur Sonne auszurichten, oder an der Forderung nach kostengünstigen Baumethoden, um bezahlbare Mieten zu erreichen. Er benutzte autonome Architekturformen, die für sich stehen ohne funktionalen Zweck, Formen, die Bilder wachrufen oder symbolisieren.
 

Die Besonderheiten in der Architektur der Heimatsiedlung

RandbebauungDa ist im Norden und Westen die schutzburgartige Randbebauung an der Bahnlinie. Zum Schutz der inneren niedrigeren Wohnzeilen (ursprünglich nur Einfamilienhäuser) angelegt, wurde der Siedlungsrand architektonisch überformt und erweckt das Bild einer mittelalterlichen Stadtbefestigung, wobei die verdickten Kamine der Heizzentrale die Wehrtürme der Stadt symbolisieren mögen.

BrückenbautenDer in Gebäudegruppen rhythmisierte Siedlungsrand tritt mit den Wohn-zeilen über  Brückenbauten in Verbindung. Durch die strenge Reihung dieser immer gleich gestalteten Architekturform mit ihren akzentuierten weiten Toröffnungen wird die innere Erschließungsstraße Heimatring als enge städtische Straße erfahren.
 

Eingang StresemannalleeIm Osten befinden sich entlang der Stresemannallee die torartigen Ein-gänge zu der „Stadt in der Stadt“. Sie werden durch Vorplätze und enge Gebäudestellung architektonisch markiert. Dem Prinzip einer Stadtmauer folgend sind alle Hauseingänge auf der Innenseite der Randbebauung angeordnet. Betritt man die Siedlung durch eine dieser Eingänge weitet sich der Blick zu einer mit großen Bäumen bestandenen geraden Wohn-strasse. Jeder dieser Strassen ist mit heimischen Laubbäumen bepflanzt.
Großzügige Rasenflächen sind jeder Wohnzeile vorgelagert. Die schnurgeraden, bis zu 250 Meter langen Häuserzeilen mit ihren immer gleich gestalteten strengen Fassaden prägen das Bild der Heimatsiedlung. Durch vorspringende, durchlaufende Glasveranden an ihrer Südseite wird die Länge und die Einheit der Straßenräume noch gesteigert. Kleinteilige Fensterflügel erzeugen eine dynamische Wirkung und erinnern an Bilder von vorbeirasenden Zügen.

Schnitt durch zwei WohnzeilenDass der Außenraum und die Gebäude miteinander ein abgestimmtes Ensemble bilden sollen, ist ein Entwurfs-prinzip im klassischen Städtebau. In der Heimatsiedlung ist dieses Prinzip angewendet worden. Mit der Einzel-reihenbebauung, die für alle Wohnstraßen eine einseitige Süd-Ost-Bebauung vorgibt, entstanden öffentliche, etwa 30 Meter breite Außenräume. Diese wurden ganz im Sinne Ernst Mays asymmetrisch in harmonische Proportionen geteilt und nach einheitlichem Prinzip gestaltet. Südlich einer jeden Wohnzeile schließt sich zuerst ein 5 Meter breiter privat zu nutzender Gartenstreifen an, abgegrenzt mit einer Ligusterhecke. Dann folgt ein 15 Meter breiter öffentlichen Rasen-streifen ebenfalls mit einer Ligusterhecke begrenzt, dann eine geometrisch exakte Baumreihe, dann die Fahrstrasse vor einem Bürgersteig und schließlich ein von den Mietern gestaltbarer, ca.1 Meter breiter Vorgarten an der Hauseingangsseite der nächsten Wohnzeile.

Die jeweils unterschiedlichen heimische Laubbaumarten geben den sonst gleichen Außen-räumen eine unverwechselbare Gestalt und den Wohnstraßen ihren Namen. nach oben