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Der unverwechselbare geschlossene Grundriss der Heimatsiedlung zeigt den Einfluss einer dynamisch expressio-nistischen Architektursprache, wie sie auch in der zur gleichen Zeit im Norden der Stadt entstandenen Römerstadt-Siedlung zu sehen ist. Vielleicht aus der Funktion heraus entwickelt, die neue Siedlung für den Mittelstand im Süden von Frankfurt vor dem Lärm der sie umgebenden Verkehrwegen abzuschir-men, war der Entwurf die Umsetzung der Vorstellung Ernst Mays von der Trabantenstadt, die sich mit einem |
Der Architekt der Heimatsiedlung
Die architektonische Bearbeitung der Heimatsiedlung (1927- 1934) lag in den Händen des renommierten Frankfurter Architekten Franz Roeckle (1879-1953). Mit der Heimatsiedlung, seinem Hauptwerk im Siedlungsbau, gelang Franz Roeckle eine Verbindung zwischen dem traditionellen Gründerzeitblock und der modernen Zeilenbauweise. Als Mustersiedlung für den Mittelstand von der Berliner Bau- und Siedlungsgesellschaft „Heimat“ in Auftrag gegeben, ist sie heute ein eindrucksvolles Beispiel des experimentellen Siedlungsbaus der Weimarer Zeit eine international anerkannte und gerühmte Leistung des Neuen Frankfurt und somit auch seit 1989 als Gesamtanlage im Denkmalbuch des Landes Hessen eingetragen.
Franz Roeckle richtete seine Planung
nicht nur an funktionale Kriterien aus, wie der Bedingung, alle
Wohnungen mit ihren Haupträumen zur Sonne auszurichten, oder an der
Forderung nach kostengünstigen Baumethoden, um bezahlbare Mieten zu
erreichen. Er benutzte autonome Architekturformen, die für sich
stehen ohne funktionalen Zweck, Formen, die Bilder wachrufen oder
symbolisieren.
Die Besonderheiten in der Architektur der Heimatsiedlung
Da ist im Norden
und Westen die schutzburgartige Randbebauung an der Bahnlinie. Zum
Schutz der inneren niedrigeren Wohnzeilen (ursprünglich nur
Einfamilienhäuser) angelegt, wurde der Siedlungsrand architektonisch
überformt und erweckt das Bild einer mittelalterlichen
Stadtbefestigung, wobei die verdickten Kamine der Heizzentrale die
Wehrtürme der Stadt symbolisieren mögen.
Der in Gebäudegruppen rhythmisierte
Siedlungsrand tritt mit den Wohn-zeilen über Brückenbauten in
Verbindung. Durch die strenge Reihung dieser immer gleich gestalteten
Architekturform mit ihren akzentuierten weiten Toröffnungen wird
die innere Erschließungsstraße Heimatring als enge städtische Straße
erfahren.
Im Osten befinden sich entlang der Stresemannallee die
torartigen Ein-gänge zu der „Stadt in der Stadt“. Sie werden durch Vorplätze
und enge Gebäudestellung architektonisch markiert. Dem Prinzip
einer Stadtmauer folgend sind alle Hauseingänge auf der Innenseite
der Randbebauung angeordnet.
Betritt man die Siedlung durch eine
dieser Eingänge weitet sich der Blick zu einer mit großen Bäumen bestandenen geraden Wohn-strasse. Jeder dieser Strassen ist mit
heimischen Laubbäumen bepflanzt.
Großzügige Rasenflächen sind jeder Wohnzeile vorgelagert. Die schnurgeraden, bis zu 250 Meter
langen Häuserzeilen mit ihren immer gleich gestalteten strengen
Fassaden prägen das Bild der Heimatsiedlung. Durch vorspringende,
durchlaufende Glasveranden an ihrer Südseite wird die Länge und die
Einheit der Straßenräume noch gesteigert. Kleinteilige Fensterflügel
erzeugen eine dynamische Wirkung und erinnern an Bilder von
vorbeirasenden Zügen.
Dass der Außenraum und die Gebäude miteinander ein abgestimmtes
Ensemble bilden sollen, ist ein Entwurfs-prinzip im klassischen Städtebau.
In der Heimatsiedlung ist dieses Prinzip angewendet worden. Mit der Einzel-reihenbebauung, die für alle Wohnstraßen eine einseitige
Süd-Ost-Bebauung vorgibt, entstanden öffentliche, etwa 30 Meter breite Außenräume. Diese wurden ganz im Sinne Ernst Mays asymmetrisch in
harmonische Proportionen geteilt und nach einheitlichem Prinzip
gestaltet. Südlich einer jeden Wohnzeile schließt sich zuerst ein 5
Meter breiter privat zu nutzender Gartenstreifen an, abgegrenzt mit
einer Ligusterhecke. Dann folgt ein 15 Meter breiter öffentlichen
Rasen-streifen ebenfalls mit einer Ligusterhecke begrenzt, dann eine
geometrisch exakte Baumreihe, dann die Fahrstrasse vor einem Bürgersteig
und schließlich ein von den Mietern gestaltbarer, ca.1 Meter breiter Vorgarten an
der Hauseingangsseite der nächsten Wohnzeile.
Die jeweils
unterschiedlichen heimische Laubbaumarten geben den sonst gleichen
Außen-räumen eine unverwechselbare Gestalt und den Wohnstraßen ihren
Namen.![]()
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